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"Jeden Morgen, wenn ich aus dem Fenster gucke, dann freue ich mich. Ich wollte einfach hier sein und hier leben. Das Dorf hier hat so viele Einwohner wie das DEutsche Theater Mitarbeiter hatte. Insofern ist die Grössenordnung vertraut."
Gaby Schweer / Gross-Ziethen, Barnim
Städter grillen anders
Waren es die verklärten Kindheitserinnerungen vom Duft der abgemähten Felder im August? Ein Geruch, eine Stimmung, die es so in der großen Stadt nicht gibt.  Aber etwas von dem sich Gaby Schweer leiten ließ, als sie sich nach einem Leben jenseits von Karriere, Großstadt und Trubel sehnte. Viele, viele erfolgreiche Jahre hatte sie an Deutschlands großen Theaterhäusern verbracht: u.a. Thalia Theater Hamburg, Münchner Kammerspiele, Deutsches Theater Berlin. In der Funktion der Pressesprecherin wirbelte sie durch diese Zeit und baute ihre Theaterfamilie auf. Wechselnde Städte, viele Neuanfänge gehörten dazu. Und dann mit dem 50. Geburtstag kam plötzlich die Sehnsucht auf, das eigene Leben nochmals völlig anders auszurichten, Prioritäten neu zu definieren.
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So viele Einwohner wie das Deutsche Theater Mitarbeiter
Während ihrer Berliner Zeit gab die eigene Datsche schon einen ersten Vorgeschmack auf das Loslassen. Gaby wollte mehr davon. Sie fuhr ein Jahr lang um Berlin herum und schaute sich Dörfer an. Ihr wurde ziemlich schnell klar, es geht ihr nicht einfach nur um schöne Landschaft. Sie wollte in eine noch funktionierende Dorfgemeinschaft eingebunden sein. Und dann fand sie diesen Ort. Es gab spielende Kinder auf der Straße, einen Kindergarten, die freiwillige Feuerwehr, sogar noch eine Dorfkneipe. Zugegeben, das Haus, in das sie sich verguckte, war eine ziemliche Ruine. Vermutlich hätten sich nicht viele an dieses Abenteuer gewagt. „Du bist ja mutig“, ein Satz, den sie zu dieser Zeit in ihrem Umfeld häufig hörte. Ihre Antwort: „Das Dorf hat so viele Einwohner wie das Deutsche Theater Mitarbeiter – die Größenordnung ist mir vertraut!“
Neue Perspektiven am Lagerfeuer
Je mehr sie mit ihrem „Landprojekt“ beschäftigt war, merkte sie, es braucht einen echten Cut, um den Kopf wirklich frei zu kriegen. Sie kündigte nun endlich, wusste erst mal nicht, wie es beruflich weitergehen sollte. Aber sie klopfte an alle Türen in ihrem neuen Heimatort: „Ich bin die Bekloppte, die die Ruine wieder aufbaut!“ Der Respekt der neuen Nachbarn war schnell verdient, als klar wurde, Gaby meint das ernst, die packt selber mit an.  
Und irgendwann am Lagerfeuer bei einem Nachbar öffnete sich die Tür zu ihrer nächsten Zukunft. Eine Vakanz in Schwedt, die Leitung der Volkshochschule wurde neu besetzt. „Das ist doch was für dich.“ Und es wurde etwas für sie. Plötzlich gab es ganz unerwartet völlig neue Möglichkeiten. „Heute habe ich größeren Gestaltungsraum als früher“. Äußerst reizvoll in fünf Fachrichtungen zu denken, der Volkshochschule ein neues Profil zu geben. Und dabei auch immer austarieren zu müssen zwischen, was würde mir als Großstädterin jetzt gefallen und was sind die Bedürfnisse der Kleinstadt.  
Natürlich war nicht alles immer einfach. Das Leben, die Menschen haben einen anderen Rhythmus. Veränderung um jeden Preis wie in der Großstadt ist hier nicht so sehr das erstrebte Ziel. Aber: „Nach sieben Jahren freue ich mich immer noch jeden Morgen, wenn ich aus dem Fenster schaue.“
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Dorfrituale
Während wir Gaby zuhören, denken wir zwischendurch schon, das ist eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Sie erzählt vom Leben in der Dorfgemeinschaft: „Hier hilft jeder jedem“. Und jeder wie er kann. Sie kann nicht so gut mit der Kettensäge, deshalb fotografiert sie oder ihr Mann manch eine der dörflichen Aktionen, z.B. wenn alle unterwegs sind, um die Feldwege freizuschneiden.
Als Empfehlung an andere Städter, die aufs Land ziehen und Teil einer Gemeinschaft werden wollen: schaut euch um und findet heraus, was die Rituale des Dorfes sind. Und auch wenn es nicht die eigen gewählten wären, versucht Zugeständnisse zu machen. Als kleine Anekdote erzählt sie, wie sie beim ersten Grillabend für die Nachbarn alles falsch gemacht hat. Denn die Städter grillen anders. Das Fleisch will eher so Häppchen für Häppchen auf das Rost. Es wird lange gegessen. Ganz anders auf dem Dorf. Wie das geht? Lassen Sie sich doch mal einladen. Oder hören Sie einfach in unseren Podcast. ​​​​​​​Oder schauen Sie mal auf den Blog von Gaby Schweer: www.stadtfluchtjetzt.de 
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